SEO – Die Welt der Zauberformeln

  29. Januar 2013
14 Kommentare
seo-zauberformel

Würde man einem Kind erklären wollen, was wir bisher unter Suchmaschinenoptimierung verstanden haben, müsste man das ehrlicher Weise so erklären: „Jeder möchte auf die erste Seite von Google. Das geht aber nicht so einfach. Deswegen muss man schlauer als die anderen sein. Weil Google auch schlau ist, müssen wir uns immer wieder neue Tricks einfallen lassen, damit wir mit unseren eigenen Seiten die Seiten der anderen überholen. Wenn wir mit unserer Seite ganz oben sind, sind wir ganz glücklich. Dann müssen wir nicht mehr so viel arbeiten und brauchen auch keine neuen Tricks mehr.“ Gnade dem Erwachsenen, der diese Geschichte heute noch glaubt. Was eigentlich Google-Optimierung heißen sollte, war für viele Jahre Google-Manipulation. Wie lange geht das noch gut? „Muss man jetzt noch schlauer sein?“, könnte dann die Frage eines Kindes lauten. Ehrlicher Weise müsste man dann antworten: „Ne, jetzt müssen wir wieder brav sein“.

Ein SEO im Wunderland

Gnade auch dem, der in einer mittelklassigen SEO-Agentur sein Handwerk gelernt hat. Die Regeln für Traffic von der Suchmaschine wurden in den Jahren 2011 und 2012 Update für Update doppelt unterstrichen und fest zementiert. Stop! Hat Google da nur gute PR gemacht? Sollen wir genau das glauben, und vor Angst unser gut&günstig-Linkbuilding sterben lassen? Haben wir nicht jahrelang gelernt und gesehen, dass die richtige Ratio aus Verweisen von Bookmarkportalen, Webverzeichnissen, Blog-Kommentaren und sogenannten Content-Links stimmen muss, damit das Linkbild so richtig rockt? Will da nur jemand uns armen Suchmaschinisten eines auswischen? Ein selbsternannter Insider sagte vor einem Jahr: „Ich sags Euch, Bookmarks ziehen immer noch!“.

SEOAber nicht nur Linkbuilding scheint irgendwie manchmal noch zu funktionieren. Sogenannte Keyword Domains tun doch nach wie vor brav ihren Dienst. Oder nicht? Auf der SEOkomm 2012 hieß es, Keyword Domains verlieren jetzt bald ihren unschätzbaren Vorsprung gegenüber den anderen. Nur noch Marken würden sich oben halten. Oder Seiten, die „wirklich gut sind“. Hallo? In letzter Zeit mal wieder „Strompreisvergleich“ gegoogelt? Na bitte, alles Unfug, funktioniert immer noch! Also, nochmal, sollen wir unsere Keyword Domains verhökern oder nicht? Stille. Keiner weiß mehr Rat. Und das ist gut.

Keyworddichte, ja oder nein, Link Ratio und organischer Linkaufbau, Linkkauf, Linktausch und Linkmiete. „Wir“ haben (fast) nichts ausgelassen, um uns frischen Linksaft zu holen. Immer wieder sind uns neue Zauberformeln eingefallen oder untergekommen, vom ausschließlichen Verlinken auf Unterseiten über Keyword-Naturalisierung beim Linkkauf bis zur fast schon philosophischen Frage, ob man Blog Roll-Links haben darf. Ein ganz brandaktueller Trend ist der Linkabbau, haben wir uns sagen lassen. Gegen jedes Update resistent sollen die neuen Tricks aus den Zauberkästen der Branchenkenner sein. Man wünscht sich eine Zeitmaschine herbei, um das Spektakel aus der Ferne des Jahres 2015 beobachten zu können. Hat der gemeine deutsche Suchmaschinenoptimierer nicht mehr zu bieten? Wohl kaum! Ein Lichtblick waren zum Beispiel die (nicht komplett neuen, aber genialen) Thesen von Karl Kratz, die zwar auch einen Hauch von Zauberformel inne haben, aber mit Argumenten wie Diversität, also Vielfalt und Inhalten, die vollständig sind, jeden Journalisten überzeugen könnten. Die hohle Phrase „Content is King“ war ein jahrelanges Mantra, das stupide von jedem wiederholt wurde, der eigentlich gar nicht so richtig wusste, warum man sich mit genialen Inhalten herumschlagen soll, wenn es doch auch einfacher geht. Zum Beispiel mit dem richtigen Linkmix oder akribischer Onpage-SEO.

SEO zum Scheitern verurteilt?

Wie eingangs erwähnt, ist Google bei der Jagd nach virtuellen Geisterstädten sicher noch nicht perfekt. Aus unserer Sicht kann man Old School Linkbuilding aber auch mit der Nachhaltigkeit von Flyer-Aktionen vergleichen. Passanten damit zu nerven, mag einige Zeit lang funktionieren, aber irgendwann müssen neue Flyer gedruckt werden. Und nur, weil jemand aus mehr oder weniger Langeweile eine Website aufruft, die auf einem Stück Papier steht, merkt er sich die Adresse noch lange nicht. Er wird wahrscheinlich auch nicht wiederkommen. SEO steckt in den Kinderschuhen, solange die wenigsten Heads of, Seniors und Juniors die Zauberformel kennen, mit der sich die Arbeit dauerhaft lohnt. Google sagt, wir sollen einfach verdammt gute Seiten bauen, denn das sei die beste Suchmaschinenoptimierung. Aber wie verkauft man das einem Kunden? Und kann man damit überhaupt schnell und einfach reich werden?

Willst Du wirklich gefunden werden?

SuchmaschinenoptimierungKeiner will ohne den Traffic der Suchmaschine leben. Wer dauerhaft gefunden werden möchte, muss, glaubt man den Zeilen oben, Qualität und Nutzen bieten. Es geht aber nicht um ein „Müssen“. Wer Seiten erfolgreich machen möchte, muss das auch wirklich wollen – heute mehr als jemals zuvor. Der Nutzer ist anspruchsvoll geworden, er hat wenig Geduld und erwartet online einen lückenlosen Service. Auf der Speisekarte erwartet er nicht nur Fließtext, sondern sofort erfassbare Info und alles Mögliche, das ihn in seiner Gedankenwelt weiterbringt. Klar, WDF*IDF ist dufte, aber nur der Anfang für Inhalte, die es Wert sind, gelesen, verlinkt, geteilt, weiterempfohlen oder ausgedruckt zu werden. Frische Ideen müssen her! Stundelange Brainstormings gehören für den dazu, der die beste Nischenseite bauen oder dem Kunden mehr als SEO-Text bieten möchte. Reiner Fließtext ist noch immer meist Fülltext, kann aber kombiniert mit großartigen Grafiken, Anwendungen, Bildern oder Auflistungen der Schlüssel zum Erfolg sein. Der Vorsatz für das längst angebrochene neue Jahr sollte lauten: „Ich schreibe kein Wort mehr, auf das meine Seite auch verzichten könnte“.

Mehr als Content

Google Docs bietet eine tolle Möglichkeit, um Umfragen zu starten; Videos sind aufwändig aber leider geil; Produktbeschreibungen können mehr als Produkte beschreiben; Infografiken sind nicht nur Linkmagneten, sondern unterstützen den Inhalt in seiner Aussage und machen ihn einzigartig; Tabellen bauen ist aufwändig, aber gibt Inhalten jahrelange Relevanz. Guter Content macht richtig Spaß – dem Autoren wie dem Nutzer. Das Wort „Content“ ist nur leider überreizt. „Text“ klingt zu einfach. „Dokument“ ist neu und vom Karl, sagt aber auch nicht viel mehr. Ganz gleich, wie man es nennt, das neue SEO verwendet Content, Text, Dokumente nicht mehr – es ist der Inhalt. Und…

…mehr als Links

Die eigenen inhaltlichen Großtaten bekannt zu machen, ist das Linkbuilding der Zukunft. Bereits mit dem Link einen konkreten Nutzen zu bieten, schützt uns davor, wieder in alte Spam-Taktiken zu verfallen. Jede Bewegung eines Online-Marketers im Netz müsste eigentlich schon lange auf den Nutzen des Nutzers ausgerichtet werden, um im immer sozialeren Internet keine Energie zu verschwenden. Ernten wir Beifall oder Kritik, wenn wir unsere Seite in einem Forum oder auf Google+ posten?

Auch hier ist das „Müssen“ dem „Wollen“ untergeordnet. Will ich als SEO, dass mein Link geklickt wird? Will ich wirklich nicht, dass mein Link neben dem eines Konkurrenten steht? Will ich eine Referenz oder baue ich den Link lieber möglichst unauffällig in den Text ein? Müssen meine Links wirklich auf Seiten mit möglichst hoher Sichtbarkeit und Page Rank stehen oder will ich, dass meine Links Besucher auf meine Seite führen, die bleiben und wiederkommen? Will ich meinem Kunden weiterhin 20 Billig-Links verkaufen oder lieber einen ordentlichen Verweis für die Ewigkeit? Will ich gute Inhalte wirklich nur für meine eigene Seite verwenden oder auch aus guten Inhalten Verweise erhalten? Will ich aus Online-Pressemitteilungen und Online-PR vor allem Links ziehen oder will ich mit meiner Seite bekannt werden? Will ich Linktausch-Partner oder will ich Content-Partner?

Verantwortung übernehmen

qualitaetDie wenigsten unter uns optimieren nur ihre eigene Seite. Wer Kunden hat, die die alte SEO-Leier verinnerlicht haben, hat es jetzt schwer. Der Auftraggeber erwartet nicht selten eine Mindestanzahl an Links. Wie soll man ihm verkaufen, dass das neue SEO ohne diese Flut aus zweckentfremdeten Links funktioniert? Wie soll man ihm verkaufen, dass guter Content nichts mit bestimmten Begriffen zu tun hat? Wie bringe ich ihn dazu, meine alten Zauberformeln zu vergessen, mir zu verzeihen und sich stattdessen an der Optimierung kreativ zu beteiligen? Es ist noch nicht zu spät, um reinen Tisch zu machen und den Kunden zu retten.

 

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14 Antworten auf SEO – Die Welt der Zauberformeln

1.

Sabrina

29. Januar 2013, 11:46 Uhr

Sehr guter Artikel, dass muss man schon eingestehen. Das Problem bei den Kunden und dem Linkbuilding liegt sicherlich auch darin, dass wenn sie eine gewisse Anzahl einfordern, auch eine Sicherheit haben. Sie wissen dass sie beispielsweise 10 Links zum Preis von X kriegen werden.

Ihnen jetzt zu sagen, dass man für das gleiche Geld vielleicht nur 1 Link generiert, ist für viele einfach unvorstellbar. Auch wenn man ihnen noch so oft sagt, dass es ein hochwertiger Link ist.

Antworten

2.

Carsten Weddig

29. Januar 2013, 11:47 Uhr

Hallo Sabrina, genau dass ist sicher ein Problem von vielen.

Antworten

3.

2Punkt

29. Januar 2013, 12:58 Uhr

Guter Beitrag. Auch ich hab meinen fünfjährigen Sohn schon einige male versucht zu erklären was ich so mache – nähmlich SEO – und das SEO eigentlich nichts mystisches ist sondern eigentlich nur “Arbeit” :-)

Antworten

4.

Michael

29. Januar 2013, 15:21 Uhr

Hi Carsten,

schöner, kritischer Artikel. Sicher hast du mit einigem was du sagt Recht. Aber wenn man mal ehrlich ist, ist es doch immer so: Es wird heißer gekocht als es nachher gegessen wird! Viel “Bla Bla” in der SEO Welt, aber wenig dahinter.

Ich persönlich sagen meinen Kunden, dass ich kein Linkaufbau betreibe. Im Gegenzug gebe ich lieber vernünftige Tipps wie man seinen Content vernünftig gestaltet, dann klappt es nämlich auch mit dem Nachbarn (ähm Google) .-)

Grüße
Michael
Websitestartup.de

Antworten

5.

Veronika

29. Januar 2013, 19:31 Uhr

Da freue ich mich doch, dass meine Zeit als SEO noch zu meinen Dienstleistungen gehörte vorbei ist. Allerdings denke ich, wenn man eine gute Kundenbeziehung aufbaut, da auch sehr viel vertrauen ist und man durchaus dann auch freie Hand bekommt. Ich habe das zum Glück in großen Teilen so erlebt.

Antworten

6.

Marc-Michael Schoberer

29. Januar 2013, 22:39 Uhr

Hi Carsten,

teilweise etwas pathetisch, aber du hast in Vielem Recht.

Ich sehe auch immer noch richtig tolle Keyword-Domains bei meinen Recherchen. Infografiken sind zwar etwas ausgelutscht, aber wie du so schön schreibst, “leider geil!”
Der User will unterhalten werden und Premium-Inhalte. Das wird die große Herausforderung.

Und Bookmarks funktionieren auf eine gewisse Art und Weise immer noch, sie gehören zum gesunden Mix.
Freu mich auf deinen nächsten Beitrag!

Cheers,

Marc

Antworten

8.

Martin Pi

3. Februar 2013, 15:38 Uhr

Vielen Dank für Deinen gelungenen Beitrag.
Ich bin mein eigener Seo und optimieren meine eigene Seite und muss immer wieder über Beiträge aus der sog. Szene lächeln, die sich über das letzte Update von Google beschweren.
Ich denke ähnlich wie Du und richte meine Seite vor allem auf die Besucher aus und warte bis Google nachzieht. Google richtet sich doch in aller erster. Linie nach den Suchenden und versucht klassisches Seo in Schach zu halten, wie Du so schön beschreibst.
Danke.

Antworten

9.

nordmarketing

3. Februar 2013, 21:38 Uhr

Ein sehr schöner und interessanter Abschluß für einen Sonntagabend :razz:

Aber das ändert nichts daran, dass die “alten” Techniken – Webseite bauen, bei Google anmelden und ein paar Links daraufsetzen immer noch (ganz gut) funktionieren – zumindest in nicht so stark umkämpften Gebieten …

Antworten

10.

semseoguy

7. Februar 2013, 15:11 Uhr

Hallo Carsten,

super geschrieben und beim Großteil der Punkte, gehe ich konform mit Dir :grin:

Das Problem ist nur, das die meisten Kunden (KMUs) nicht die finanziellen Mittel haben oder aufbringen möchten, um alle Kanäle zu bedienen -> Stichwort: Content Marketing.

Ich halte es da wie Michael es zitiert hat: [...Im Gegenzug gebe ich lieber vernünftige Tipps wie man seinen Content vernünftig gestaltet ...]

Antworten

14.

Michael Marheine

3. Februar 2014, 23:00 Uhr

Die meisten Kunden wollen nicht in guten Content investieren oder haben viel zu kleine Budgets – welche schon verbraten wären, wenn sie mal ein paar Tipps und Tutorials, Texte kaufen würden. Für Content sehen sie sich selbst in der Lage Texte zu schreiben – hat ja schon immer gut geklappt *-) .. und sie haben einfach nicht genügend Geld in der Hand, um mittelfristig was kontinuierlich in die richtige Richtung zu schieben. Da sehe ich auch einen Kommentar von ganz oben wieder vor mir “der Kunde will etwas Nachvollziehbares” 10 Links = xy Euro. Was anderes kann er doch gar nicht vergleichen oder einschätzen.

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