Quo vadis, lokale Suchmaschinenoptimierung?

  28. Februar 2013
6 Kommentare
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An niemandem dürfte es vorbeigegangen sein, dass Google einen großen Teil seiner Suchergebnisse in ein Branchenbuch verwandelt hat. Zu gefühlten zehn tausend Prozent mehr Anfragen blendet die Suchmaschine jetzt Unternehmen aus der Umgebung ein. Eingebettet in die Suche, erscheinen die kleinen Unternehmen, Praxen und Niederlassungen aus der Region mit ihrem Google+ Local-Profil, das im Front-End so eine Mischung aus Google Places und Google Maps ist. Natürlich reagiert Google damit auf die nach eigenen Angaben 97 Prozent der Nutzer, die online nach Unternehmen in ihrer Umgebung suchen. Aber auch ein weiterer Einstiegspunkt in das relativ neue Google+ wurde dem Nutzer damit geschaffen. Und auch dem Unternehmen.

Noch ein soziales Netzwerk!

Gerade einmal haben Unternehmer in Deutschland erkannt, dass Facebook wichtig ist, da kommt das nächste soziale Netzwerk, das um Aufmerksamkeit buhlt. Aber Google+ Local ist als social network zunächst gar nicht so interessant. Viel spannender für uns ist, dass der lokalen Suchmaschinenoptimierung damit ein ganz neuer Maßnahmenkatalog auferlegt wurde. Die alt bekannten Erfahrungsberichte sind jetzt – nicht minder wichtig – nur noch ein soziales Signal unter vielen, die ein lokal ansässiges Unternehmen erhalten kann. Das Feld „Aktuelles kommunizieren“ im Google Branchencenter ist im Schatten einer opulenten Google+ Unternehmensseite nur noch ein Überbleibsel aus der Zeit, in der Unternehmen kaum eine Möglichkeit hatten, Interessenten über aktuelle Angebote, Aktionen oder Neuigkeiten zu informieren. „Läuft in 30 Tagen ab“ gibt es auf einer Google+ Local-Seite ebenfalls nicht mehr. Vielmehr kann ein Unternehmen jetzt seinen eigenen Stream im Netzwerk pflegen und Nutzer können dem folgen, was der Laden um die Ecke gerade veröffentlicht. Local SEO verschwimmt also immer mehr mit waschechtem Social Media Marketing. Auffallen heißt die Devise.

Direkte Kunden-Kommunikation statt stupidem Wettlauf im Index

Während die gedruckten Branchenbücher langsam aber sicher wegsterben, ist natürlich das reine „Gefundenwerden“ auf Google wichtiger denn je. Aber auch zählt, hier im neuen lokalen Index, das öffentliche Auftreten des Unternehmers mehr und mehr. Der Inhaber ist hier selbst aktiv. Suchmaschinisten vertreten ihn, ohne dass sein Publikum es merkt. Aktiv kommunizieren bringt die persönliche Note in Googles Branchenergebnisse, die bislang gefehlt haben. Wer gefunden wird, muss künftig auch überzeugen. Der Klick auf die Website ist nur noch eine Option, die der Nutzer hat. Mobil dürften die direkten Zugriffe auf das Google+ Local-Profil noch höher sein und der Nutzer muss schon unbedingt wollen, um auf die Website des Unternehmens zu gelangen. Nicht zuletzt sei erwähnt, dass die Website kein Muss mehr ist, um Traffic aus der direkten Umgebung zu erhalten, auch, wenn das stadtweite Ranking ohne Website zäh bleibt.

Wer Google+ Local optimiert, fragt also zukünftig: Wie viele Bewertungen hat das Unternehmen? Was kann ich tun, um Nutzer und Stammkunden zu animieren, Erfahrungsberichte zu hinterlassen? Wie sieht’s mit den Bildern auf der Google-Seite aus? Gibt es regelmäßig Updates im Google+ Stream des Kunden? Sind noch alle Daten korrekt oder hat Google neue Citations „aufgetan“, die die Daten durcheinander werfen? Stimmen die Öffnungszeiten? Spricht mich die Beschreibung an und bringt sie die Dienstleistung des Geschäfts auf den Punkt? Ist die Website verknüpft? Achso, und über was schreiben wir morgen? Google+ fordert viel Aufmerksamkeit und will betreut werden.

Website nicht vergessen

Wer hier mit dem Lesen aufgehört hat, könnte meinen, die Homepage könnte zukünftig in der lokalen Suchmaschinenoptimierung vernachlässigt werden. Stimmt natürlich nicht. Für Google zählt lokal nicht nur das reine Vorhandensein einer Website. Die eigene Präsenz ist und bleibt ein wichtiger Faktor, um von Maschine und Nutzern ernst genommen zu werden. Auch der SEO, der den Kunden mit seinen bisherigen Linkbuilding-Taktiken nicht aus dem Rennen geworfen hat, könnte mit sauberem Online-Marketing den Weg auf die Reise nach oben bereitet haben. Aktuell kommt es auch nicht selten vor, dass „da oben“ noch Standorte zu finden sind, die auf Google+ nicht aktiv und praktisch nicht anwesend sind – einer starken Webseite sei dank. Natürlich profitieren lokale Unternehmen auch von einer technisch einwandfreien Seite. Es obliegt dem Marketer, den Kunden über Optimierungsbedarf aufzuklären und gemeinsam festzulegen, welche Maßnahmen jetzt wirklich wichtig sind – in Anbetracht eines meist begrenzten Budgets kleiner Unternehmen.

Trotzdem will Google, dass Google+ Local zum neuen Dreh- und Angelpunkt in der lokalen Suche wird. Hier nicht aktiv zu werden, könnte für Dienstleister und nicht zuletzt das betreute Unternehmen böse enden. Die Erfahrung zeigt auch, dass mit einer ordentlichen Präsenz auf Google+ Local und einer fast jungfräulichen Webseite bereits jetzt hartnäckige Umfelder im Index aufgebrochen werden können. Google gewährt ambitionierten Unternehmern einen Platz im Index der eigenen Region. Gibt aber zu verstehen: Dran bleiben, sonst bist Du schnell wieder weg vom Fenster. Der Index ist dynamisch wie nie zuvor. Und wie das Google+ Profil, sollte auch die Website kontinuierlich wachsen. Warum es bei der Speisekarte und einem netten „Über uns“-Text belassen? Es gibt so viel, was den Nutzer interessiert. Google+ und die Homepage können hier wunderbar im Wechsel wirken. Die Kunst des Local SEO ist jetzt, Metzgern, Immobilienmaklern, Malern oder Ärzten gleichermaßen die Bedeutung aktueller Inhalte an allen Ecken und Enden zu vermitteln.

Auch lokal ist Content der King

Nutzer und Google haben natürlich auch lokal weiterhin wenig Interesse an verstaubten Präsenzen und lieblosen Web-Auftritten. Gerade im lokalen Index haben Online-Marketer heute freie Bahn, um den Kunden wenn nicht als Meinungsführer dann wenigstens als stadtweit bekannte Adresse in der Branche zu etablieren. Die Inhalte spielen dabei eine zentrale Rolle und möchten sorgfältig erstellt werden. Wie sieht der Redaktionsplan für die kommenden vier Wochen und darüber hinaus aus? Was könnte man auf der Website noch ergänzen? Wie nehme ich Fragen von Kunden vorweg, liefere die richtigen Antworten und bewege Interessenten von Zuhause oder unterwegs aus zum Besuch?

Citations – ein Auslaufmodell?

Wie das gute alte Linkbuilding wirkt der kompromisslose Aufbau von Citations auf den ersten Blick. Auf möglichst vielen Portalen und Plattformen möchte der ambitionierte Suchmaschinist Adresse, Name und Telefonnummer des Kunden unterbringen, um das harte Eis des lokalen Index zu durchbrechen. Aus den USA berichten die Pioniere der lokalen SEO, dass die Anzahl von Citations der Schlüssel zum Erfolg ist. Ja, Erwähnungen der Unternehmensdaten sind für die lokale Optimierung wichtig. Aber muss man deshalb eintragen, überall, wo’s nur geht? Kann das der Weg nachhaltiger Optimierung sein? Wir haben es beim Linkaufbau gesehen.

Feststeht, dass Google die Daten braucht, um die Wichtigkeit des Google+ Local-Eintrags zu berechnen. Es macht also Sinn, den Kunden auf den größten Pattformen und Online-Branchenbüchern einzutragen, die Rang und Namen haben. Auch Nischenportale für einzelne Branchen und ultra-lokale Portale aus der Stadt oder Region sind absolut sinnvoll und kommen für eine Eintragung in Frage. Schließlich hat das betreute Unternehmen hier auch eine tatsächliche Chance, über Umwege von Kunden aus der Umgebung gefunden zu werden. Auch Google soll das sehen. Aber als verschwendete Zeit oder billiges Verkaufsargument sind Eintragungen auf zwielichtigen und völlig unbekannten Portalen zu werten, die eigentlich nur zum Selbstzweck existieren. Stimmen die Erwähnungen auf den größten und relevanten Plattformen, soll sich der Online-Marketer darum bemühen, dass das Unternehmen mit aktuellen und ansprechenden Inhalten an Relevanz gewinnt. Darum, dass Erfahrungsberichte von Kunden nicht unbeantwortet bleiben. Und darum, dass der Unternehmer seinen Auftritt im größten Branchenbuch der Welt aktiv mitgestalten kann.

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6 Antworten auf Quo vadis, lokale Suchmaschinenoptimierung?

1.

Svenja

28. Februar 2013, 11:58 Uhr

Super Artikel, der es auf den Punkt bringt! Vielen Dank :-)

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2.

Carsten Weddig

28. Februar 2013, 11:59 Uhr

Vielen Dank :-)

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3.

Axel

28. Februar 2013, 14:37 Uhr

Guter Artikel. Gerade der Teil Citations – ein Auslaufmodell? bringt mich zum nachdenken. Denke auch, dass die alten Methoden hier nicht mehr so greifen werden und die Aktivität der Google+ Profile dann immer wichtiger wird.

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4.

ewood

28. Februar 2013, 21:14 Uhr

Guter Artikel, keine Frage. Aber nur auf die großen Verzeichnisse konzentrieren ist evtl. Zu kurzsichtig gedacht. Schwups verliert dies nach einem Update an Power ist der Eintrag auch wertlos. Die Branchenspezifischen Portale sind notwendig und ein paar kleinere, aber feine dürfen es auch ruhig sein.

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6.

another vision

3. März 2013, 19:53 Uhr

Umfänglicher Artikel mit Einwand-Potential.

“Während die gedruckten Branchenbücher langsam aber sicher wegsterben” – dieses Argument kann man seit Jahren lesen. Es werden einem Statistiken von pro und contra-Seiten um die Ohren gehauen. Fakt ist – auch in 2013 gibt es die gedruckten Gelben Seiten und das Örtliche Telefonbuch und das ist auch gut so!!!

Die vermeintlichen Google “Da-Muss-man-mit-Aktivitäten” betrachte ich mittlerweile mehr als skeptisch. Weshalb sollte ein KMU einen Suchmaschinisten bezahlen, damit es dem Suchgiganten Recht gemacht wird und dieser übermorgen April-April (Branchencenter->Maps->Google+) ruft. Heute hüh morgen hott und das soll ich dann ruhigen Gewissens dem Kunden gegenüber vertreten? Kann ich nicht. Will ich nicht.

Die Zeit ist reif, aus den geschenkten Kreisen und Zirkeln auszubrechen und trotzdem das Wohl des KMU im Auge zu behalten. Die Möglichkeiten im Web sind riesig und wir müssen dem Rattenfänger nicht noch die Kinderchen in die Hände treiben.

“Auch lokal ist Content King” – dies ist ein Schlüssel, welcher auf der eigenen Homepage umgesetzt werden sollte! – Nicht bei Google+!!!

“Aber muss man deshalb eintragen, überall, wo’s nur geht? Kann das der Weg nachhaltiger Optimierung sein? Wir haben es beim Linkaufbau gesehen.” Ganz ehrlich – was bitte soll geschehen, wenn man sein Unternehmen einträgt, was die fleißigen Fingerchen tippen können? Ähnlich dem Linkaufbau gilt, “Klasse statt Masse” und “ein Link schadet nur dem, der Ihn nicht hat” dazu noch den gesunden Menschenverstand auf “ON” belassen.
Ansonsten kann ich den weiteren Ausführungen zum Thema Citations nur beipflichten. Jede investierte Minute in Erstellung/Aktualisierung von ansprechenden, mehrwertigen Inhalt in den bekannten Branchenportalen oder Online-Branchenbüchern wird sich am Ende des Tages auszahlen.

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