Interview mit Nicolas Sacotte inklusive Themenspecial

  19. September 2012
3 Kommentare

Wir freuen uns mit Nicolas Sacotte, wieder einen alten Hasen für ein Interview bekommen zu haben. Neben dem Interview gibt es noch einige Tipps zur googlegerechten OnPage Optimierung.

Für alle die Sie nicht kennen, stellen Sie sich bitte kurz vor:

Mein Name ist Nicolas Sacotte, einige kennen mich sicher unter dem Nickname „Nicos“ mit dem ich in diversen Foren und Portalen seit über 10 Jahren unterwegs bin. Aktuell wohne ich mit meiner Frau und meinen beiden Kindern in Wangen. Ich bin Dipl. Betriebswirt (FH) und Inhaber der Firma activetraffic.de – einer Full Service SEO Agentur mit 4 Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Wann war Ihr erster Kontakt zu Online Marketing und SEO?

Der erste Kontakt war 1998. Damals habe ich neben dem BWL-Studium Webseiten gebaut, erst eigene und recht schnell auch für Kunden (aus dem näheren Bekanntenkreis). Damit konnte man schon recht gutes Geld verdienen. Die Kommilitonen haben in Bars gekellnert, während ich zu Hause HTML-Strukturen gebastelt habe. Und als die ersten Webseiten online waren, stellte sich auch recht schnell die Frage, wie man mehr Traffic bekommen konnte. Das war der erste Kontakt mit Onlinemarketing, insbesondere SEO.

Wie hat sich Online Marketing seit damals verändert und wo liegt die Zukunft?

Im Onlinemarketing hat sich wahnsinnig viel verändert. Ich erinnere mich noch sehr genau an die ersten Kundenprojekte. Da stand im Vordergrund zunächst die Webseite. Man wollte „auch eine haben“ und „dabei sein“. Die meisten Unternehmen haben damals Webseiten rein aus Imagegründen bauen lassen. Traffic &Conversions waren mehr oder weniger Fremdworte, über die niemand so wirklich nachgedacht hat. User Experience und Usability gab es im Wortschatz faktisch nicht. Die Kunden haben dann angefangen offline Werbung für ihre Online-Auftritte zu machen und recht schnell gemerkt, dass es riesige Streuverluste gibt und es mit den damaligen technischen Mitteln unmöglich war, Erfolge zu tracken. Dann kam irgendwann die Phase der „Bannerwerbung“, wo man im Vergleich zur heutigen Zeit horrend hohe TKPs bezahlt hat. Alle diese Werbekanäle haben schon damals dem Bereich SEO positiv zugespielt, weil sie nicht richtig „funktioniert“ haben bzw. das Targeting schlichtweg mies war. Der beste „targeted Traffic“ kam über Suchmaschinen wie altavista, fireball und irgendwann auch google. Ich denke die größte Veränderung ist im Bereich der Tools und der zu ermittelnden Kennzahlen passiert. Damals wusste man so gut wie gar nichts über die Besucher, heute fast alles. Mit der immer größer werdenden Datenmenge, die Onlinemarketer zur Verfügung hatten, konnten die einzelnen Channels immer weiter optimiert und verfeinert werden. Gerade im Bereich SEO gibt es jede Menge hilfreicher Tools, die sich immer weiterentwickelt haben und mit deren Daten ein völlig anderer Strategieaufbau möglich ist, als noch vor 10 Jahren. Dennoch halte ich Erfahrung und Bauchgefühl für unerlässliche Zutaten für erfolgreiches SEO und Onlinemarketing. Zudem muss man anmerken, dass der Informationsfluss und –austausch im Onlinemarketing im Vergleich zu 1998 beachtliche Dimensionen angenommen hat, im positiven Sinn. Aktuell kann man gefühlt jede Woche eine neue Konferenz besuchen, Messe abklappern oder an einem Barcamp teilnehmen. Das war früher anders. Außer über Fachforen und persönliche Kontakte, war ein Austausch eher schwer. Jetzt gibt es an jeder Ecke „Speednetworking“ und über die Business-Verzeichnisse wie XING und LinkedIn kennt fast jeder jeden. Informationen fließen rasend schnell: wenn google in den USA ein Update fährt, erfährt man davon Sekunden später alles Wichtige in seiner Twitter-Timeline oder auf Facebook. Es entstehen auch immer mal wieder neue Channels, 1998 gab es weder Twitter noch Facebook und Social Media gab es einfach nicht. Das wird auch in Zukunft so sein: Onlinemarketer müssen flexibel und schnell sein, und jede Möglichkeit nutzen, neue Besucherströme aufzubauen. Derzeit ist ein großes Hypethema natürlich „mobile“, weil man erkannt hat, dass jeden Abend Millionen Nutzer (und damit potentieller Kunden) auf dem Sofa das ipad auspacken bzw. tagsüber so viel unterwegs sind, dass Onlinearbeit und –recherche (mit Kaufabsicht) über mobile Endgeräte stattfinden. Im Grunde ist es sehr schwer die Zukunft abzuschätzen, denn die  Masse der Konsumenten wird darüber entscheiden, und nicht ein Individuum. Für mich persönlich ist das ganze Thema „Voice Search“ sehr interessant, weil es das Suchverhalten maßgeblich ändern wird. Vor 10 Jahren wären Vorhaben wie „projectglass“ eher in den Bereich „Science Fiction“ einsortiert worden, heute sind sie real.

Wie sieht der richtige Mix der verschiedenen Online Marketing Maßnahmen für Sie aus?

DEN richtigen Mix gibt es nicht. Für jedes Projekt und für jede Branche sieht der Mix anders aus. Die richtigen Online Marketing Maßnahmen sind die, die mittel- und langfristig einen positiven ROI bringen. Kurzfristig machen sicher auch „Mischkalkulationen“ Sinn, aber irgendwann sollten Kanäle, die nicht rentabel sind ausgemerzt werden. Die Kunst liegt darin, die Verzahnung der einzelnen Maßnahmen korrekt einzuschätzen. Grundsätzlich sollte aber immer alle möglichen Maßnahmen in Betracht ziehen und sich niemals nur auf einen Channel verlassen. Wir haben das ja nach den aktuellen google-Tier-Updates gesehen. Geschäftsmodelle, die rein auf SEO gesetzt haben, hatten von heute auf morgen massivste Besucher- und damit Umsatzrückgänge. Diesen Traffic sofort über neue Kanäle zu kompensieren ist oft sehr schwer, denn gute Strategien kosten Zeit. Von der Implementierung in bestehende Workflows und Unternehmensstrukturen ganz zu schweigen. Mehrere „Traffic-Standbeine“ aus dem Online Marketing Mix können überlebenswichtig sein. Sicher gibt es das ein oder andere Thema, für das der ein oder andere Kanal nicht „funktioniert“ (Stichwort Hämorrhoidensalbe und Social Media), aber mit einem ordentlichen Konzept kann man eigentlich in jedem Bestandteil des Online Marketing Mixes seinen Platz finden.

Was sind Ihre Lieblingswebseiten, Blogs …?

Ich bin recht gerne auf den amerikanischen Blogs unterwegs, weil man dort neue Infos immer etwas schneller bekommt, da google Neuerungen meist in den USA zuerst ausrollt. Dazu gehören seoroundtable.com, seomoz.com und searchengineland.com. Ansonsten ist seo-united.de empfehlenswert und natürlich seoblog.net, wo wir selber regelmäßig schreiben.

Ihre größten Marketing oder Firmen Erfolge, auf die Sie stolz sind?

Ich bin sehr  zufrieden, wie sich activetraffic in den letzten 4 Jahren entwickelt. Ich bin zwar der Chief SEO im Haus, kümmere mich aber auch um unseren Markenaufbau und um Seitenprojekte wie den seoblog.net und die suchmaschinen-community.de . Ich bin schon stolz laut ibusiness-SEO/SEM Agenturliste zu den TOP10 (nach Sichtbarkeitswert) der SEO-Agenturen in Deutschland zu gehören, ebenso der Inhaber einer der 20 BVDW-SEO-Zertifikate zu sein. Natürlich bin ich auch stolz auf unser Team, das wir die Jahre über aufgebaut haben, denn gute Mitarbeiter sind nicht nur im Onlinemarketing das A und O.

Was tun Sie genau zur Zeit genau und womit verdienen Sie ihr Geld ?

Ich bin Inhaber und Geschäftsführer von activetraffic.de. Als Fullservice SEO Agentur betreuen wir zahlreiche Kunden bzw. deren Websites und Projekte. Von der strategischen SEO Beratung bis hin zu OnPage- und OffPage-Optimierung bekommen die Kunden bei uns alles aus einer Hand.

Was passiert gerade besonderes interessantes in der SEO und OM Welt? Und was können Sie uns an Details dazu sagen?

Aktuell findet ein großer Umbruch statt. Spezialisten müssen zu Onlinemarketing-Allroundern werden, um optimale und effiziente Arbeit abliefern zu können. Ein SEOler, der SocialMedia nicht verinnerlicht hat, kann seinen Kunden nicht mehr zufriedenstellend beliefern. Gleiches gilt für alle anderen großen Kanäle wie SEA oder auch Affiliate-Marketing. Online Marketing-Generalisten sind gefragt, die wissen wie sehr verzahnt die unterschiedlichen Teile des Mixes sind und funktionieren. Im Bereich SEO hat sich sicher das Thema Linkbuilding nach dem Pinguin-Update extrem verändert. Content und OnPage-SEO stehen nun wieder mehr im Vordergrund. Links sind die natürliche Ausbeute von hervorragenden Inhalten. Contentmarketing und Contentproduktion sind gefragte Fachthemen in diesen Tagen. Große Plattformen wie textbroker.de werden davon profitieren und haben ihr Angebot dementsprechend angepasst. Auch andere Teile der Contentindustrie, wie Bilderanbieter und Videoproduzenten können jetzt mehr denn je mit ihrem Angebot punkten. Die Nachfrage war grundsätzlich schon immer vorhanden, aber die Kunden besinnen sich gerade wieder auf das Wesentliche: gute Inhalte für die Besucher.

Wie oft nutzen Sie Xing, Twitter, Facebook und Co?

Ich nutze alle Dienste im Prinzip täglich, wobei ich immer versuche am Wochenende so weit es geht offline zu bleiben.

Warum und wie nutzen Sie Social Web, beruflich oder privat?

Ich nutze das Social Web sowohl beruflich, als auch privat. Dann aber über verschiedene Kanäle bzw. Accounts. Ich möchte meine echten „Freunde“ nicht mit irgendeinem SEO-Kram nerven und meine Geschäftspartner und Kunden müssen (und wollen vielleicht)  nicht unbedingt Einblick in private Angelegenheiten haben. Das ist natürlich nicht ganz einfach, denn viele meiner SEO-Kollegen sind über die Jahre zu echten Freunden geworden. Ich nutze das Social Web privat, um mit alten Freunden regelmäßig  in Kontakt zu bleiben, was sonst über die räumliche Distanz schwer möglich wäre. Geschäftlich nutze ich das Social Web vor allem um auf dem Laufenden zu bleiben. In meiner Twitter-Timeline erfahre ich recht schnell alles Wichtige (und Unwichtige natürlich auch).

Wie stellen Sie sich ihre berufliche Zukunft vor?

Ist das hier ein Bewerbungsgespräch? ;-)
Spaß beiseite! Ich bin sehr zufrieden mit dem was ich tue und habe. Da ich ein kreatives Köpfchen bin, habe ich leider immer viel zu wenig Zeit, alle Ideen sofort umzusetzen. Online Marketing ist „mein Ding“, wie man so schön sagt. D.h. ich werde hoffentlich noch sehr lange in diesem Bereich unterwegs sein. Für die Zukunft wünsche ich mir mehr Zeit für neue Ideen, da arbeite ich zumindest drauf hin.

Was wollten Sie schon immer mal gefragt werden oder einfach nur loswerden?

Au, das ist doch sicher eine Fangfrage, oder? ;-)

Aber weil es gerade passt: Seid nett zueinander und lächelt öfter!

Welchen Tipps können Sie Neueinsteigern geben?

Neben dem absoluten Wille erfolgreich zu sein, sollten Neueinsteiger vor allem viel Sozialkompetenz und den nötigen Blick über den Tellerrand mitbringen. Lesen, Lesen und nochmal Lesen… Neueinsteiger sollten sehr viel lesen, denn das Netz ist voll von wertvollen Informationen. Gleichzeitig muss ein Newbie aber auch die Fähigkeit besitzen zu differenzieren. Gerade im Bereich SEO gibt es viele Halbwahrheiten und Falschinformationen im Web. Für Neueinsteiger im SEO empfehle ich auf alle Fälle auch eigene Projekte an den Start zu bringen. Learning bydoing! Alle guten SEOs, die ich kenne, haben zuerst auf eigenen Domains „gespielt“ und sind auch und gerade durch Misserfolge gewachsen. Ein guter Mentor hilft viel weiter und ein Praktikum oder Traineeship in einer großen Agentur ist sicher auch ratsam. Vor allem, weil man als Anfänger dort die wichtigen Kontakte knüpfen wird.

Interview-Spezial

Google Onpage Optimierung

Wie sieht der optimale Onpage Aufbau von der Struktur aus?

Der optimale Aufbau hängt immer ein wenig vom Zweck bzw. der Intention der Webseite ab. Eine reine Informationsseite ist anders strukturiert als ein Onlineshop. Es gibt einige sehr wichtige strukturelle Dinge die man beachten sollte:

  1. Eindeutige, individuelle title-tags der Seiten
  2. Meta-tags, insbesondere description: mit einer ansprechenden description lässt sich die CTR auf das Suchergebnis positiv beeinflussen.
  3. Content: ausreichend Text (300-500 Wörter, gerne mehr), angereichert mit Bildern und Videos (Stichwort enriched Content). Semantische Faktoren innerhalb des Textes wie Synonyme, Akronyme und themennahe Keywords, verwandte Suchbegriffe.
    Contentsegmentierung: sinnvolle Gliederung der Inhalte durch Überschriften, Zwischenüberschriften, Bilder etc.
  4. Sprechende URL-Strukturen
  5. Interne Verlinkung: kurze Klickwege, eindeutige Anchortexte

Was sollte ich möglichst vermeiden um nicht vom Panda oder anderen Onpage Filtern getroffen zu werden?

Google möchte seinen Usern bestmöglichen Content mit der Suche ausliefern, d.h. „thin Content“ ist auf alle Fälle zu vermeiden, wie schon erwähnt sollten es mindestens 300-500 Wörter sein, unterstützt durch Bilder und Videos. Die Panda-Updates richten sich auch gegen reine MFA-Seiten. Projekte die mit Werbung (above the fold) zugepflastert sind, haben ebenfalls schlechte Karten und könnten durch das knuffige Tierchen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Das alte Thema Duplicate Content sei ebenfalls noch zu erwähnen. All diejenigen, die sich mit dem Thema noch nicht befasst haben, sollten dies dringend tun. Insbesondere CMS-Nutzer sollten den Gebrauch des canonical-tags in Betracht ziehen. Zu guter Letzt ist die schwer messbare „User Experience“ zu nennen, die im worstcase in hohen Bouncerates mündet. Wenn sich der Besucher wohl fühlt und die Informationen findet, die er gesucht hat, steht auch guten Rankings nichts mehr im Weg!

Was kann ich hinsichtlich der Optimierung des Textes noch verbessern?

Ich kann nur empfehlen sich mit dem Thema WDF/IDF auseinander zu setzen und den direkten Vergleich mit dem Wettbewerb zu suchen! Wir haben Seiten gesehen, die mit äußerst wenig Linkpower sehr hohe Sichtbarkeiten erreicht haben. Wenn man diese textseitig analysiert sprechen die Daten für sich. Google ist im Bereich der Semantik wirklich sehr gut geworden und die Verwendung von Synonymen, Akronymen, verwandten Suchbegriffen und themennahen Begriffen zahlt sich in der Regel auch aus. Wenn ich also zum Keyword Auto ranken möchte, sollte ich Keywords wie „BMW“ , „KFZ“ etc. ebenfalls im Text verwenden. Es bietet sich an, noch einen Schritt weiter zu gehen und die Wichtigkeit der Zusatzkeywords zu analysieren und in die Segmentierung einfließen zu lassen.

 

Eine Seite, die Nicolas Sacotte als (fast) perfektes Beispiel nennen kann ist *********.de

Wenn Sie die URL wissen möchten, dann können Sie einen Tweet absetzen und erhalten dann die exakte Adresse.

 

Vielen Dank an Nicolas Sacotte für das Interview.

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3 Antworten auf Interview mit Nicolas Sacotte inklusive Themenspecial

1.

Frank Doerr

19. September 2012, 15:44 Uhr

Ich habe großen Respekt vor dem, was Nico in all den Jahren geschafft hat, und dass er gleichzeitig absolut sympathisch geblieben ist!

Antworten

2.

Liane

27. Dezember 2012, 17:21 Uhr

Hallo,
würde gern mal wissen, was mit

“Thema WDF/IDF” genau gemeint ist.

Antworten

3.

Carsten Weddig

4. Januar 2013, 12:00 Uhr

Hallo Liane, Google doch mal danach in Verbindung mit Karl Kratz. Dann findest du alle Informationen.

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