Interview mit Jens Altmann
Diese Woche gibt es gleich ein zweites Interview im Weddig & Keutel Blog. Diesmal mit einem Programmierer-SEO aus der Black-Hat Ecke, welcher schon in Schulzeiten sich mit dem Thema Programmierung und Online-Marketing auseinander gesetzt hat. Trotz des Google Pinguin Updates ist das Thema Black-Hat immer noch sehr beliebt und ein oft besuchtes Thema auf so mancher SEO-Konferenz rund um den Globus.
Für alle die Sie nicht kennen, stellen Sie sich bitte kurz vor:
Hallo Carsten, vielen Dank für das Interesse an einem Interview mit mir. Ich heiße Jens Altmann, die meisten werden mich wohl eher durch meine Blogs gefruckelt.de oder seo-mentor.de kennen oder den Tweets von @gefruckelt folgen. Ich lebe und arbeite in Hennigsdorf, einer Stadt am Nordrand von Berlin, geografisch von Reinickendorf und Spandau umschlossen und bin dort bei der Firma complex economy GmbH als Softwarearchitekt angestellt.
Wann war Ihr erster Kontakt zu Online Marketing und SEO?
Das ist für mich schwer zu terminieren. Wenn man genauer drüber nachdenkt schon in der Sekundarstufe als man sich das erste Mal mit bunten Webseiten an die Öffentlichkeit gewagt hat und versuchte seine Seiten bekannt zu machen – man hat es so aber natürlich nie als solches wahr genommen, wenn man mit Popups Geld verdient hat und man hat es schon gar nicht als Online Marketing oder gar SEO bezeichnet. Professionell bin ich seit dem Jahr 2009 in diesem Segment unterwegs und finde das Themengebiet unglaublich spannend.
Wie hat sich Online Marketing seit damals verändert und wo liegt die Zukunft?
Früher gab es keine Tabbedbrowser außer den Maxthon, an Popup oder Adblocker waren damals überhaupt nicht zu denken und der Firefox existierte noch nicht. Zudem wurden absolut unrealistische TKPs bezahlt und man verdiente an reinem Traffic Geld. Heute hat sich vieles verändert: Mentalität und Popup Blocker erschweren Online Marketing, oder vielleicht sollte man sagen, genau das macht es so interessant. Es reicht nicht mehr irgendwelche Besucher auf seine Seite zu holen. Man muss diese lenken und steuern um effektiv Geld zu verdienen. SEO – das ich selbst immer als Zweig des Online Marketings einordne – ist ebenso vielfältig geworden. Es geht heute nicht mehr um die reine Platzierung, es geht darum das Interesse bei dem Suchenden zu erwecken und ihn zu zeigen, dass er die gewünschten Informationen zu seiner Suchintension findet.
Wie sieht der richtige Mix der verschiedenen Online Marketing Maßnahmen für Sie aus?
Wie für alles im Onlinegeschäft gibt es darauf keine pauschale Antwort – je nach Ziel einer Webseite kann es Sinn machen eine intensive SEO Strategie zu verfolgen, SEM Kampagnen zu starten, in Facebook oder anderen Communitys und Social Networks präsenter zu sein. Wichtig ist, dass man seine Zielgruppe kennt, weiß wo man diese antrifft und entsprechend eine Strategie entwirft – aber das lernt man schon im ersten Semester BWL und das kann man auch fast ohne Anpassung aufs Online Marketing übertragen. Nur der Kundenkontakt und die Kontaktaufnahme unterscheiden sich Online und Offline sehr stark.
Was sind Ihre Lieblingswebseiten, Blogs …?
Eine Lieblingswebseite oder einen Blog habe ich eigentlich nicht. Ich lese meist die Empfehlungen aus meiner Timeline oder über Google Alerts und versuche mich nicht auf bestimmte Blogs und deren Meinungen festzulegen – das verschafft mir meist einen sehr großen Überblick über aktuelle Entwicklungen und ich kann mir meine eigene Meinung und Rückschlüsse bilden. Es ist ansonsten sehr schwer über den Tellerrand hinauszusehen und leider geht die Entwicklung dort hin, dass immer mehr Neueinsteiger alles ungeprüft hinnehmen und wiederkauen.
Ihre größten Marketing oder Firmen Erfolge, auf die Sie stolz sind?
Das ist schwer zu definieren. Ich denke man kann auf alles was man erreicht stolz sein und es existiert keine Vergleichbarkeit, aufgrund unterschiedlicher persönlicher Entwicklung und Grundwissen, von den einzelnen Erfolgen. Ein wenig stolz kann man sein, wenn themenspezifische Blogs wie die vorher genannten regelmäßig gelesen und geteilt werden.
Was tun Sie genau zur Zeit genau und womit verdienen Sie ihr Geld ?
Mein Brot verdiene ich mit der Softwareprogrammierung und nebenbei beschäftige ich mich mit aktuellen Entwicklungen in den Web Technologien. Es macht mir Spaß die Techniken und APIs unorthodox zu verwenden und etwas mit diesem Wissen zu spielen. Um diese Verspieltheit auch etwas weiter hinauszutragen moderiere ich auch seit dem letzten Jahr die Black Hat Show auf Radio4SEO zusammen mit Fabian Rossbacher.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus?
Darüber bin ich sehr glücklich! Es existiert kein typischer Arbeitstag. Jeder Tag bringt neue spannende Aufgaben für die unterschiedlichsten Projekte, Programmiertechniken, Programmiersprachen oder Entwicklungen im Web, dabei wird Regelmäßig mein gesamtes Wissensspektrum benötigt und ich erhalte einen großen Überblick. Besonders interessant finde ich neben Sicherheitsaspekten und Audits Entwicklungen die man als „nicht alltäglich“ nennen kann. Sei es eine eigene PHP Extension in C, das erste Firefox/Chrome Plugin oder die Überoptimierung von Datenbankdesigns in sämtlichen Datenbanksystemen. Diese Art von Arbeit macht mir, neben das Halten von Schulungen, am meisten Spaß, weil man nur mit einem gewissen Grad an Erfahrung und Wissen die Kunden entsprechend gut informieren und die Techniken anwenden kann.
Was passiert gerade besonderes interessantes in der SEO und OM Welt? Und was können Sie uns an Details dazu sagen?
Im SEO-Bereich gibt es aktuell wöchentlich neue Entwicklungen, bei denen es Spaß macht die Spreu vom Weizen an Information und Desinformation zu trennen. Besonders interessant finde ich dabei die Entwicklung der semantischen Analyse von Google und ob und für wie lange sich personalisierte Suchergebnisse durchsetzen können. Besonders interessant wird auch die verstärkte Einbindung von Bing Suchergebnissen in die Facebook Suche und die daraus resultierende Verteilung der Marktanteile. Beim Online Marketing gibt es eine Menge interessanter und auch beängstigende Entwicklungen. Als Beispiel kann man dort sicherlich das neue Leistungsschutzrecht und die EU Cookie Richtlinie nennen. Als Interessante Entwicklung im Online Marketing kann man neue HTTP Header wie Do not Track und allgemein die Optimierung von Conversion Pfaden für Shops und sonstige Webprojekte nennen. Es stellt sich immer mehr die Frage ob man wirklich jeden Besucher benötigt, gerade in Zeiten in denen die Serp Bounce Rate oft als Rankingkriterium genannt wird, oder ob man nicht verstärkt auf eine kleinere Gruppe von Nutzern optimiert und diese dafür bewusst durch die Webpräsenz bis zum Conversion Ziel leitet.
Nach dem das Google Panda Update viele erschreckt hat, gab es jetzt den nächste Schlag gegen harte Linktexte und Linkkauf. Wie ist Ihre Meinung dazu und welche Tipps können Sie geben?
Ich vertrete in dem Punkt einen sehr konservativen Standpunkt – jeder der Links billig kauft, der kennt die Gefahren und ist selbst schuld. Wenn ich versuche ein System zu gamen versuche ich immer so natürlich wie möglich zu wirken. Was ist an 1000 Links mit 999 gleichen Linktexten natürlich? Was ist an nachträglichen Linkkauf natürlich? Google hat jede Seite im internen Cache gespeichert und sie erkennen natürlich sehr einfach wenn auf einer Seite lediglich ein Keyword verlinkt wird.
Auf der anderen Seite bin ich der Meinung, dass Google nicht einmal annähernd so gut gekaufte Links erkennt wie viele vermuten. Aber spätestens seit dem Paid Link Penalty hat Google eine geniale Möglichkeit geschaffen ihre vorher als verdächtig klassifizierten Linkverkäufer und Linkkäufer zu verifizieren. Mein Tipp: Wenn ihr schon Links kauft, weil ihr in einem Moneykeywordbereich rein wollt und nicht wisst wie ihr es sonst machen sollt, dann lasst es natürlich erscheinen.
Google hat Places jetzt auch in Google+ integriert, können Sie uns dazu etwas sagen?
Dies ist wieder ein genialer Schachzug mit dem Google die Places Informationen automatisiert durch existierende Personen verifizieren kann. Ähnliches sieht man schon bei den Author Tags.
Google zeigt jetzt lokale Ergebnisse auf normale Suchen bezogen an (Code Venice). Verändert dieses Update SEO und Tracking grundsätzlich?
Als ich erstmals davon las dachte ich über den Sinn nach und ob es nicht auch nur eine falsche Fährte sei, denn durch Places ist die Lokalisierung schon seit langem ein elementarer Rankingfaktor bei lokalen Suchergebnissen und Google selbst hat das Update ja schon vor vielen Monaten beschrieben. Die meisten haben es aber jetzt erst wirklich verstanden und als in Deutschland angekommen betitelt. Wenn ich es richtig überschaue sind aktuell die typischen, aufs lokale ausgerichtete Keywords, wie „Restaurant“, „Tankstelle“ und ähnliche betroffen. Also genau die Keywords die man im Navi unter POI findet. Interessant wird es, wenn Moneykeywords wie „Autokauf“ oder „Kredit“ mit den Positionsinformationen gemischt werden. Denn dann hat man als Betreiber einer entsprechenden Themenseite unglaubliche Möglichkeiten die Nutzer zu targeten und vorallen unter dem Radar der Konkurrenz zu bleiben – Punkte die man bisher nur im SEM ausleben konnte und teuer bezahlen muss.
Wie oft nutzen Sie Xing, Twitter, Facebook und Co?
Xing nutze ich eigentlich nur, wenn ich eine neue Kontaktanfrage oder eine neue Nachricht bekomme. Twitter und Facebook gehören allerdings zu meinen täglichen Informationswerkzeugen bei denen ich mal mehr und mal weniger selbst aktiv bin.
Warum und wie nutzen Sie Social Web, beruflich oder privat?
Das Social Web nutze ich fast ausschließlich beruflich. Twitter nutze ich dabei um interessante Links zu teilen und mich über aktuelle News zu informieren und spiele mit deren API rum um meine Informationsprozesse zu optimieren. Bei Facebook bin ich meist passiv unterwegs und nutze es eigentlich nur, um die Zielgruppen von meinen Projekten zu erreichen oder Ads zu schalten.
Wie stellen Sie sich ihre berufliche Zukunft vor?
Eigentlich gibt es in dem Bereich nicht mehr viel zu optimieren. Ich versuche als Speaker etwas aktiver zu werden und habe für zwei anstehende Konferenzen auch meinen Speakerrequest gestellt und warte gespannt auf die Antworten. Allgemein würde ich im Bereich Schulungen etwas aktiver agieren wollen. Auch könnte ich mir vorstellen ein oder zwei Projekte stärker in der Startphase zu pushen als bisher, entsprechend Planung gibt es dafür auch, aber alles benötigt seine Zeit und sowas sollte immer gut vorbereitet sein. Beides sind Ziele die sich schon bald erfüllen könnten.
Was wollten Sie schon immer mal gefragt werden oder einfach nur loswerden?
Für eine solche Frage bin ich zu ausgeglichen. Wie man nun wohl festgestellt hat ist es das Wichtigste für mich Spaß, Freude und Abwechslung sowohl beruflich als auch privat zu haben und mich dadurch weiterzuentwickeln. Aber ich möchte diese Frage nutzen um mich für das Interview bedanken – es hat mir sehr viel Spaß gemacht die Interviewfragen zu beantworten.
Welchen Tipps können Sie Neueinsteigern geben?
Neueinsteigern würde ich sagen: Informiert euch ausgiebig über euer neues Themengebiet, sammelt Erfahrungen durch kleine Projekte und bildet eure Lesekompetenz. Es gibt nichts wichtigeres als den Informationsgehalt einer Nachricht schnellstmöglich zu erkennen und das neue Wissen gegebenenfalls direkt umzusetzen. Und wie bei allen Neuanfängen liegt das Geld nicht auf der Straße, alles ist ein stetiger Lern- und Entwicklungsprozess, darum sollte man auf keinen Fall zu früh aufgeben.
Vielen Dank Jens Altmann für das gelungene Interview.
